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25. und 26. Februar 2012
FENSTER ZUM SONNTAG-Talk
auf SF zwei und SF info:
«Engels- und andere Geschichten»
Peter Schulthess ist Pfarrer, Notfallseelsorger und Engelsforscher. Mal wird er zu einem Unfall gerufen, dann ist es eine Hochzeit oder eine Taufe – und im vergangenen Jahr sogar ein Mordfall! Viele seiner Erlebnisse hat er in zwei Büchern beschrieben. Der FENSTER ZUM SONNTAG-Talk spricht mit ihm über seine tägliche Arbeit, wie man nach Engeln forschen kann, was er bei seinen Notfällen erlebt und wie er selber damit umgeht.
Denn das vergangene Jahr hielt auch für ihn persönlich einige negative Überraschungen bereit. Durch einen Skiunfall gerät er in eine Spirale von Schlaflosigkeit und Angstzuständen, aus denen selbst er nur schwer herausfindet – und welche ihn fast verzweifeln lässt.
Christliche-Lebensberatung.ch > Themen > Vom Umang mit Facebook
Facebook ist in aller Munde. Was im 2003 von Gründer Mark Zuckerberg lanciert wurde, ist für den B2B-Bereich zu einem lukrativen Geschäftsmodell geworden, für Familien hingegen zu einer grossen Herausforderung. Kids sind täglich im Internet und stellen oftmals ohne vorherige Überlegungen Bilder und Daten ins Facebook, die andere oder sich selbst «dumm» da stehen lassen oder es werden Menschen via Chat beschimpft.

Facebook: Herausforderung neue Medien
Das Internet vergisst nichts: was veröffentlicht wurde, ist für immer veröffentlicht. Das Besondere: Die Kids kommunizieren meist genau mit den Kollegen, die sie während des Tages sehen. Facebook und Internet ist zu einer grossen Herausforderung geworden.
Christliche-Lebensberatung.ch (nachfolgend CL) hat mit Simon Lerch (nachfolgend SL), Gründer und Geschäftsleiter von Levada (Einzel-, Team- und Familienberatung), zum Thema Umgang mit Facebook gesprochen.
CL: Simon Lerch, wo liegen die Herausforderungen von Facebook für Familien?
SL: Für die Eltern können die neuen Medien dadurch eine Herausforderung darstellen, dass sie sich damit nicht oder nur teilweise auskennen und dabei eine Überforderung erleben. Andererseits können sich aber genau durch diese Plattformen gute Gelegenheiten ergeben, mit den Kindern Umgang und Regeln, z.B. im Facebook, zu thematisieren. Kinder gehen immer früher ins Internet und sind in den Chats und Communities (Facebook) erheblichen Risiken ausgesetzt.
CL: Welchen Gefahren und Risiken sind die Kids ausgesetzt?
SL: Cybermobbing unter Schülerinnen und Schülern oder gegen Lehrkräfte sind verbreitet. Jugendliche sind gefährdet, sich in den Online-Welten von Games und sozialen Netzwerken zu verlieren und Suchtmuster zu entwickeln.
CL: Was kann man dagegen unternehmen?
SL: Wichtig ist, dass die Jugendlichen möglichst früh eine Medienkompetenz entwickeln. Medienkompetenz kann durch die Auseinandersetzung mit den Gefahren und Chancen gefördert werden. Die Offenheit im Einzelgespräch und eine gesunde Neugierde scheinen mir wichtig zu sein. Verbieten kann in diesem Fall kontraproduktiv sein.
CL: Können Sie ein paar konkrete Praxisbeispiele geben, wie man die Medienkompetenz der Kids fördern kann?
SL: Beeindruckt hat mich der Fall Claudio (Name geändert). Er ist ein 13-jähriger Junge mit grossem technischem Interesse. Er ist angezogen von Geräten, die den Zugang zum Internet ermöglichen und besitzt die Fähigkeit Webseiten zu programmieren und zu designen. Sein Wissen erwarb er vor allem im Internet durch Foren und interaktive Chats. Auch das Facebook ist ihm bestens bekannt. Leider nutzte er diese Plattformen auch für negative Aktivitäten: Er verunglimpfte Kameraden auf Facebook und programmierte eine Hass-Website gegen einen Kollegen (Kevin, Name geändert).
CL: Damit steht er ja bekanntlich nicht alleine da. Wie sind Sie im Fall Claudio vorgegangen?
SL: Der Schulleiter beauftragte mich mit den Eltern von Claudio, den Eltern von Kevin sowie Claudio und Kevin eine Lösung zu erarbeiten. Meine Vermutung war, dass Claudio durch diese Taten bei anderen Kollegen Lob und Anerkennung erkaufen wollte. Dies bestätigte er mir in mehreren Gesprächen. Die Eltern von Kevin waren einverstanden keine Anzeige gegen Claudio zu erstatten.
CL: Das ist sicher ein erster Erfolg. Doch damit hat Claudio ja seine Einstellung noch nicht verändert, oder? Will heissen, die Gefahr für Verunglimpfung besteht weiterhin?
SL: Richtig. In diesen gemeinsamen Gesprächen mit Claudio wollte ich von ihm wissen, ob er sich vorstellen könne, wie Kevin sich dabei gefühlt habe. Dies verneinte er klar. Auf die Frage, ob es ihn denn interessieren würde, wurde er neugierig. Hier sprechen wir in der Fachsprache vom Perspektivenwechsel, Anschlussfähigkeit oder auch Empathie in Bezug auf das Gegenüber. Diese Anschlussfähigkeit hat auch mit Werten, Normen und Haltung zu tun. Dies erarbeiteten Claudio und ich zusammen in Einzelgesprächen.
CL: Reichen Gespräche allein denn aus?
SL: Die Praxisfelder waren direkt betroffene Orte wie der Pausenhof und das Informatik-Schulzimmer. Mehr und mehr lernte er auf kritische Situationen und Auseinandersetzungen zuzugehen und sie altersentsprechend zu lösen. So konnte er seine grosse Leidenschaft, das Programmieren und Designen, in der Schule nun positiv einsetzen, indem er das Layout der Schülerzeitung übernahm. Bei technischen Computerfragen fiel der Name Claudio sogar in Lehrerkreisen. Auch bei Fragen im Umgang mit Facebook, sprachen die Lehrer Claudio an - und er konnte ihnen oft Antwort geben.
Durch diese Erfahrungen wuchs sein Selbstwertgefühl, er lernte seine eigene Meinung auszusprechen und zu vertreten sowie den Umgang mit Kritik. Durch seine neu gewonnene Selbstsicherheit war er weniger versucht auf dumme Jungenstreiche einzusteigen – mehr noch, er übernahm Verantwortung für sich und andere. Auch sein neu gelernter Umgang mit den technischen Geräten und den Neuen Medien (Facebook, Chatrooms usw.) hat sich positiv verändert.
CL: Claudios Interesse wurde sozusagen auf die richtige Spur gelenkt. Das klingt nach einem Einzelfall …
SL: Nein, dieses Beispiel ist kein Einzelfall. Es scheint, dass die Medienkompetenz eine enge Verknüpfung mit der Sozialkompetenz und dem Selbstwert eines Menschen hat. Auch Nähe und Distanz (Abgrenzung) ist ein unglaublich wichtiges Thema, das Kids und Jugendliche auch für den Umgang mit den Neuen Medien erlernen müssen. Da es sich, wie oben schon erwähnt, um Themen wie Werte und Normen handelt, sollte dieses Lernfeld durch die Eltern/Erziehungsberechtigten ermöglicht und gefördert werden.
CL: Also gilt für Eltern: statt die Schuld auf Facebook und die Teenies abzuschieben, bereit sein, mehr Zeit für die Beziehung zu investieren?
SL: Wie sie sicher schon bemerkt haben, geht es weniger um die Beantwortung technischer Unklarheiten zum Facebook, sondern vielmehr um das Erlernen der Soft-Skills (siehe Erklärung, rechts) sowie um die Stärkung und Begleitung der Jugendlichen. Ich ermutige diejenigen Eltern/Erziehungsberechtigten, die eine skeptische Haltung gegenüber den Neuen Medien haben, einen Schritt auf ihr Kind zuzugehen. Er/sie braucht Unterstützung und vielleicht können die Eltern ja auch noch etwas von ihren Kindern lernen.
CL: Simon Lerch, besten Dank für das Gespräch
© Christliche-Lebensberatung.ch - 30.09.2011 (ar)
Erklärung soft skills:
Soziale Kompetenz, häufig auch soft skills genannt, ist die Gesamtheit persönlicher Fähigkeiten und Einstel-lungen, die dazu beitragen, individuelle Handlungsziele mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe zu verknüpfen und in diesem Sinne auch das Verhalten und die Einstellungen von Mitmenschen zu beein-flussen.
Soziale Kompetenz umfasst Fertigkeiten, die für die soziale Interaktion nützlich oder notwendig sind.
Facebook News Meldungen
Facebook legt gewaltige Aktenmengen über Nutzer an (Quelle: Tagesschau.sf.tv)
Facebook droht Sammelklage wegen Cookies (Quelle: fdt.de)